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Leonie Fölbach in Bolivien

zu den Aufgabe der FSJ-ler die im Ausland Ihren Dienst tun gehört auch die Öffentlichkeit über die internationalen Projekte zu informieren.
Nun ist der erste Rundbrief von Leonie eingetroffen mit Fotos.

 

Die Leupolzerin Leonie Fölbach absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Hochland von Bolivien. Ein Ziel des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufene Weltwärts-Programmes ist der interkulturielle Austausch. So gehört es auch zu den Aufgaben der „Freiwilligen“ regelmäßig über deren Einsätze zu berichten ... 

 

Liebe Freunde und Interessierte,

 

Wie angekündigt berichte ich von meinen Erlebnissen und Erfahrungen in Bolivien. Was ist also so alles passiert, seit ich Deutschland verlassen habe?

Nach wunderschönen letzten Tagen in der Heimat, stieg ich am 14.8.2018 um kurz nach 19 Uhr, in München, in das Flugzeug. Nach einer anstrengenden Reise über Madrid erwartete mich am frühen Morgen in Santa Cruz der erste Schreck: Ich musste relativ verzweifelt meinen Koffer suchen, die „Migration“ passieren, und mich dabei durch Menschenmassen zwängen, was dazu führte, dass ich den Anschlussflug verpasste. Glücklicherweise verlief das Umbuchen ohne Probleme. Ich nutzte die Zeit, um Geld zu wechseln und hielt das erste Mal „Bolivianos“ in den Händen. Nach über 19 Sunden war dann im ziemlich kleinen Flughafen von Sucre die Flugreise endlich beendet.

 

In Sucre erwarteten mich eine sehr liebe Gastfamilie, ein 2-wöchiger Sprachkurs im ICBA (Instituto Cultural Boliviano Aleman), andere deutsche Freiwillige, die sich schnell als neue Freunde entpuppten und jede Menge Organisatorisches für Handy und Visum.

 

Am 1.9.2018 bestieg ich mittags mit meiner Mitfreiwilligen Chantal aus Trier ein Taxi, welches uns nach Potosí an die reine Mädchenschule „Copacabana“ brachte. Wir wurden herzlich von der Verantwortlichen Schwester Damiana, dem Direktor und der Direktorin empfangen und tranken den ersten Kokatee. Nachdem wir unsere Zimmer begutachtet hatten, gingen wir auch schon hinaus auf die Straße, denn an diesem Tag war ein großer Umzug namens „Chutillos“ in Potosí. Die Umzüge hier in Bolivien, sind einer der Gründe, warum ich dieses Land absolut liebenswert finde. So bunte, ausgelassene Tänze zu fröhlicher, rhythmischer Musik, die einen wünschen lassen selbst einmal Teil davon zu sein, gibt es in Deutschland leider nicht. Ich stelle sowieso immer wieder fest, dass Traditionen und Feste hier sehr wichtig sind. Fast jede Woche gibt es mindestens einen besonderen Tag. Beispielsweise den Tag des Baumes, den Tag der bolivianischen Frau, den Tag der Lebensmittel… Am 21. September fielen sogar mehrere Feste zusammen: Frühlingsanfang, Tag der Liebe, der Freundschaft, der Blumen, der Ärzte…                                                    

Nun aber zurück zu dem Abend, an dem ich das alles zum ersten mal so richtig erlebt habe. In warme Decken eingemummelt und mit dampfendem Tee in den Händen beobachteten wir begeistert die Tänzer in bunten, teilweise skurrilen Kostümen und die, mit der fortschreitenden Dunkelheit, immer spektakuläreren Lichteffekte und Feuerwerke.

Als dann 2 Tage später unsere Arbeit hier begann, wurden wir zu allererst auf einen Balkon gebeten, um uns kurz den Schülerinnen der Primaria, die auf dem Hof in Reih und Glied standen, (natürlich auf Spanisch) vorzustellen. Natürlich spielte auch ein bisschen Nervosität in diesem Moment mit. Es sollten noch weitere Vorstellungen im Kindergarten, Sekretariat, vor den Schülerinnen der Secondaria und im Lehrerzimmer folgen. Kurz zur Erklärung: Vormittags haben jüngere Mädchen im Grundschulalter Unterricht (Primaria) und nachmittags dann die älteren Schülerinnen (Secondaria). Von Allen wurden wir sehr sehr herzlich empfangen und willkommen geheißen.

Im Kindergarten, welcher eher mit einer Vorschule zu vergleichen ist und welcher sich in einem abgetrennten Bereich der Schule befindet, arbeite ich vormittags in einer Klasse mit 37 5/6jährigen Mädchen. Diese lernen hier schon Buchstaben und Zahlen schreiben, Allgemeine Sachen wie zum Beispiel wie man richtig Hände wäscht und welche Lebensmittel gesund und gut sind. Außerdem wird viel aus der Bibel vorgelesen und hin und wieder werden Wörter auf Quechua, einer der indigen Sprachen, die besonders in ländlichen Regionen noch weit verbreitet sind, trainiert. In ihren weiß-blauen Schuluniformen und wunderschönen Flechtfrisuren machten die Mädchen echt Eindruck auf mich. Allerdings sind es eben doch noch Kinder, die teilweise mit allen Wassern gewaschen sind und durchaus frech sein können. Deshalb schlagen die Lehrer hier auch mal schärfere Töne an. Meine Arbeit besteht hier aus Stifte spitzen, Hefte austeilen, radieren, beim Zeichnen und Schreiben helfen und hin und wieder mal ein Kind trösten. Dazu kommt die Essensausgabe in den Pausen. Ja, hier gibt es wirklich in jeder Pause was zu futtern! Die erste Mahlzeit wird von den Eltern der Mädchen zubereitet und geht von Obstsalat über Suppe, Reis mit Kartoffeln und Gemüse bis hin zu süßer Gelatine. Meiner Meinung nach ein wahres Festmahl. Im Lehrerzimmer gibt es zum Frühstück auch immer leckere Gebäckstücke, Kaffee und Tee. Die Snacks der zweiten Pause werden immer geliefert und beinhalten Kekse, Joghurt, Muffins, Cornflakes…

 

Ein sehr interessantes Ritual findet jeden Montagmorgen auf dem Pausenhof statt. Während die Schülerinnen in Reih und Glied die Nationalhymne Boliviens und danach die Hymne der Schule singen, werden Fahnen von Bolivien, von Potosí und von der Schule gehisst. Diese Ehre gebührt den besten Schülerinnen. Außerdem werden noch kleine Reden gehalten und es wird gebetet. Danach geht es schön geordnet in den Unterricht. Nach dem Unterricht warten immer schon die Eltern vor der Türe, um ihre Schützlinge abzuholen. Wenn man aus der Schule geht, muss man sich tatsächlich durch die Massen wartender Eltern und gut beschäftigter Süßigkeitenverkäufer schlängeln.

Nachmittags arbeite ich entweder im Sekretariat oder bei den Schulsozialarbeiterinnen (das wechselt jede Woche). Im Sekretariat ist mittags immer ziemlich viel los, da alle Schülerinnen, die zu spät sind, ausgesperrt werden, sich im Sekreteriat melden und dann solange warten müssen, bis die nächste Unterrichtsstunde anfängt. Auch nachmittags wird für jede Klasse „desayuno“, was übersetzt Frühstück, aber in diesem Fall Pausenbrot heißt, ausgeteilt. Das ersetzt natürlich nicht den regelmäßigen Pausenverkauf von Gelatine, Donuts und „empanadas“, also gefüllten Teigtaschen. Ich helfe beim Abzählen der gleichen angelieferten Snacks, wie am Vormittag. Ansonsten wechseln meine Aufgaben im Sekretariat. Einmal musste ich Eintrittskarten für eine Schulfeier stempeln, damit sie nicht so leicht gefälscht werden können. Ein anderes Mal half ich beim heiße Schokolade Kochen, als Vertreter der Bolivianischen Zentralbank zu Besuch waren, um einem Vortrag über Inflation zu lauschen.

Zu den Schulsozialarbeiterinnen kommen regelmäßig Schülerinnen, Eltern und Lehrer. Die Probleme reichen von Schulschwänzen über Nicht-Im-Unterricht-Mitschreiben bis hin zu Problemen mit Drogen und sich selbst ritzen. Nicht selten werden hier Taschentücher verteilt. Da meine Spanischkenntnisse noch nicht ausreichen, um gute Ratschläge zu verteilen, höre ich eigentlich nur zu. Einmal durfte ich eine Schülerin in ein nahegelegenes Gesundheitszentrum begleiten. Ansonsten ist oft ein Highlight des Nachmittags das Einkaufen von Brötchen für den Tee. Denn sowohl im Sekretariat als auch im „trabajo social“ wird immer gegen 17 Uhr Tee getrunken und dazu Brötchen gegessen. .

Gegen 17:30 endet mein Arbeitstag dann und es warten oft noch alltägliche Aufgaben wie Kochen, Spülen, Wäschewaschen (natürlich alles per Hand) und Einkaufen. Hier lassen sich Einkäufe sehr gut mithilfe kleiner „tiendas“, einer Art Tante-Emma-Läden, die sich gefühlt an jeder Straßenecke befinden, erledigen. Außerdem gibt es in Potosí einen sehr sehr großen Markt, genannt „feria“, für Obst und Gemüse, aber auch für Klamotten, Drogerieartikel und vieles mehr. Allerdings müssen Chantal und ich, um dorthin zu gelangen, mit dem Busfahren. Das Busfahren ist hier auch eine spannende Sache, denn die Busse haben keine Haltestellen sondern halten überall, wo Menschen ein Handzeichen geben. Das ist für die Fußgänger äußerst praktisch und erspart dadurch die nervtötende Wartezeit (vorausgesetzt es fährt gerade der richtige Bus vorbei), verursacht aber auch Stau auf den Straßen. Aussteigen kann man auch an jeder beliebigen Ecke. Billig ist das ganze auch noch, nur 1,5 Bolivianos pro Person! Da der Wechselkurs gerade bei 1:7,7 liegt, sind das umgerechnet weniger als 20 Cent. Für die Einheimischen, die ihren Monatslohn in Bolivianos ausbezahlt bekommen, ist es allerdings vergleichbar mit 1,5 Euro für uns. Eine andere interessante Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass die Straßen von Potosí und auch anderen Städten Boliviens, von unzähligen Süßigkeitenständen gesäumt sind.

 

Liebe Grüße,

Leonie Fölbach

 

Leonie

 

Leonie

 

Leonie